Nach wie vor verlassen Sinti- und Romakinder die Regelschule überdurchschnittlich oft ohne Abschluss. Die Schulverweigererquote ist ebenfalls auffällig. Diese Aussagen basierten bislang auf Beobachtungen, da es kein statistisch gesichertes Material gab. (Die Erfassung von Daten und/oder eine Beschreibung von Lebenslagen wird aufgrund der Verfolgung im Faschismus mit großer Skepsis in der Sinti- und Romagesellschaft betrachtet.) Die erste Studie zur Bildungssituation ist im Mai 2011 erschienen und bestätigt die bisherigen Annahmen dramatisch. Danach haben nur „18,8% der Befragten eine berufliche Ausbildung absolviert, dagegen sind es in der Mehrheitsbevölkerung in der jüngeren Altersgruppe 83,4%. Nur 6 von 261 Befragten besuchten ein Gymnasium, das sind 2,3%. In der Mehrheitsbevölkerung haben insgesamt 24,4% Hochschulreife, in der Altersgruppe der 20- bis 25-Jährigen über 40%."

 Die Nachfrage nach ungelernten Arbeitern ist schon seit den siebziger Jahren rückläufig. Die Familien leben seit Generationen von Transferleistungen. Auch der Markt für Kleine Selbstständige füllt nur temporär Nischen und stellt keine Lebensperspektive dar. Mit den nachstehenden kurz aufgeführten Maßnahmen kann bei einem soliden Personaleinsatz und konsequenter Lobbyarbeit verlässlich gesichert werden, dass die Generation der Kinder, die jetzt in die Schule kommen, wahrscheinlich einen Schulabschluss erreichen. Die folgenden Erstklässler werden es dabei schon leichter haben, da in den Familien die Akzeptanz für Bildung gewachsen ist und mögliche Unwägbarkeiten in den Schulen auch. Die Kinder, die derzeit bereits eingeschult sind, werden es sehr schwer haben, es sei denn, dass der Förderunterricht hoch angesetzt wird. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass es dennoch eine Reihe von erfolgreichen Bildungsbiografien gibt.
Bei volkswirtschaftlicher Betrachtung des hier geforderten Inputs kann angenommen werden, dass bei einem Zeitfenster von 15 Jahren die Kosten geringer sind, wenn die Kosten der Transferleistungen und damit in Verbindung stehenden Folgekosten gegengerechnet werden.
Nach 15 Jahren würden die jetzt geförderten Schulkinder Berufe ergreifen oder an die Universitäten streben. In Anbetracht der derzeit öffentlich geführten Debatte über die Zulassung der Einwanderung von Fachkräften aus dem Ausland, aufgrund fehlender Arbeitskräfte im Inland, liegt es auf der Hand, diejenigen Kinder aus kinderreichen Familien zu fördern, die ohnehin schon im Inland wohnen. Zumal die Vorfahren der Sinti schon seit dem 14. und die der Roma seit dem 19. Jahrhundert in Deutschland leben. Weitere Roma- Familien leben seit Jahrzehnten in Deutschland oder sind vor Kurzem zugezogen (leben im Duldungsstatus).

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